Läufer, Radsportler oder Triathlet

Die Ausgangsituation vor einer Laktatdiagnostik

Beim Laufen hast du als Maß für deinen Fortschritt in der Regel deine Pace und deine Durchschnittsgeschwindigkeit.

Die Geschwindigkeit wird dabei von sehr vielen Faktoren beeinflusst (Streckenprofil, Seitenwind, Gegenwind, Material, Kleidung …) Die Betrachtung deiner Geschwindigkeit kann daher kein verlässlicher Inidikator für deine Form sein. 

Ebenso wie mit dem Training auf Basis der Geschwindigkeit (beim Laufen), verhält es sich mit dem Training auf Basis der reinen Leistungsdaten beim Radfahren. Auch hier ist die Aussagekraft sehr eingeschränkt und somit auch die Möglichkeit deine Leistung langfristig gezielt zu steigern.

Der Ansatz deine Leistung langfristig auf ausschließlich auf Basis der Geschwindigkeit und auf Basis deiner Leistungsdaten zu steigern, wird in letzter Konsequenz nicht funktionieren.

Aber warum ist das so?

Sind 200 Watt nicht immer 200 Watt?

Schaue genau hin

Kenne die Bestandteile deiner Leistung mit einer Laktatdiagnostik

"Um wirklich zu verstehen, wie sich dein Leistung zusammensetzt, musst du über deine Schwelle/FTP hinaus, in deinen Körper und in die Muskulatur schauen"

Um deine Leistungsfähigkeit exakt zu verstehen - und um deine Trainingszonen so gezielt zu definieren, dass du deine angestrebten Ziele wirklich erreichen kannst - musst du verstehen, wie sich deine Leistung im Detail zusammengesetzt ist.
Mit anderen Worten: Du musst wissen, was hinter der Leistung steht und was genau in deinem Körper und deinen Muskeln die Leistung erzeugt.

Schauen wir uns die folgende Infografik an, um zu erklären, warum es essentiell ist, eine Leistung "von innen" zu betrachten.

Denken wir uns einen exemplarischen "Tag 1"aus , bei dem du 4 Minuten lang 475 Watt geleistet hast (alle Achtung!). Danach tun wir so, als würdest du zwei oder drei Monate lang einem "spezifischen" Training folgen. 

Schließlich gibt es einen weiteren exemplarischen "Tag 2", an dem du deine Leistungsfähigkeit erneut getestet hast und wir überprüfen, wie sich deine Leistungsfähigkeit während des Trainingszeitraums verändert hat.

An diesem exemplarischen "Tag 2" hast du auch 4 Minuten lang 475 Watt geleistet (erneut: eine starke Leistung!).

Was bedeutet das? Bedeutet es, dass dein Training nicht funktioniert hat?

Zusammensetzung deiner Leistung

Wir wird deine Leistung erzeugt?

Lakatdiagnostik vs. Kohlehydrat- und Fettstoffwechsel

Der Teufel steckt wie immer im Details. Aus metabolischischer Sicht, kann die Zusammensetzung dieser beiden Leistungen sehr unterschiedlich sein, und dennoch zur gleichen Gesamtleistung führen.

Leistung wird stets von den drei verschiedenen Energiesystemen in deinen Muskeln erzeugt. Diese setzt sich jedoch aus unterschiedlichen Prozentsätzen zusammen. Bei genauer Betrachtung liegen zwischen ,,Tag 1‘‘ und ,,Tag 2‘‘ sehr viele Anpassungen. Da aber gegenläufige Entwicklungen stattgefunden haben, blieb die Gesamtleistung jedoch gleich. 

Erläuterung am Beispiel des gleichen Poweroutputs vor und nach einem Trainingsblock:

Die maximale Leistungsfähigkeit über 4 Minuten hat sich nicht geändert. Die Zusammensetzung der Leistung unterscheidet sich jedoch erheblich.  

Zum Beispiel könnte deine Energie am Tag 1 hauptsächlich aus dem aeroben Stoffwechsel stammen (413 Watt oder 87%) und nur zu 5% aus der Glykolyse – einem anaeroben Stoffwechsel (27 Watt) und zu 8% (35 Watt) aus dem Abbau von Kreatinphosphat (welcher ein begrenzter Energiespeicher in der Muskulatur ist).

Am zweiten Tag, also nach deinem Trainingsblock, könnte die Leistung auf eine ganz andere Art und Weise zusammengesetzt sein: Der aerobe Energiebeitrag könnte auf 396 Watt der Gesamtleistung (oder 83%) gefallen sein. Und auch die Prozentsätze der Glykolyse und der Kreatinphosphat - Systeme hätten sehr unterschiedlich sein können: Die Leistung aus der Glykolyse (Laktatproduktion) könnte auf 52 Watt (11%) angestiegen und die aus Kreatinphosphat abgeleitete Leistung auf nur 27 Watt (6 %) gesunken sein.

Ohne diesen Poweroutput ,,von innen‘‘ zu betrachten, würdest du nun zu dem Schluss kommen, dass die drei Monate anstrengenden Trainings keinerlei Anpassungen mit sich gebracht haben. 

Wenn du dir das Gesamtbild allerdings anschaust, wirst du herausfinden, dass das Training tatsächlich deine Leistungsfähigkeit beeinflusst hat.

Es haben sich sogar alle drei Energiesysteme, aus denen sich Ihre Leistung zusammensetzt, während des Trainings angepasst.

Jedes von ihnen hat sich in eine andere Richtung entwickelt. Wenn du jedoch nur deine Leistungsabgabe betrachtest, würdest du nicht verstehen, wie deine Leistung zusammengesetzt ist.

Lange Rede kurzer Sinn:

Ganz rechts in der Abblildung: Die Darstellung der maximalen Gesamtleistung, wenn die bekannten besten Trainingszustände eines jeden Energieversorgungssystems durch spezifische Trainings kombiniert werden würde.

Leistung ist alles was zählt?

Monitoring deiner Leistung durch eine Laktatdiagnostik

Du denkst vielleicht immer noch, dass die physiologischen Veränderungen nicht so wichtig sind, weil sich die Power für deinen 4-Minuten-Output überhaupt nicht geändert hat - und dass dies am Ende des Tages alles ist, was für dich zählt. Aber:

Stellen wir uns vor, dass du tatsächlich den Ursprung dieser zwei verschiedenen 475-Watt-Leistungen verstehen und offenlegen könntest. Diese zusätzliche, aber entscheidende Information würde es dir ermöglichen das Maximum aus allen Energiesystemen, und damit das Maximale aus deinen Muskeln herauszuholen.

Sobald du deine Trainingseinheiten mit deinen physiologischen Anpassungen in Verbindung setzen kannst, kannst du spezifisch auf deine Ziele hintrainieren.

Nehmen wir unser Beispiel: 

Eine höhere 4min – Leistung wäre die Folge von einer Anhebung der glykolytischen (anaeroben) Leistung, ohne gleichzeitige Verringerung des aeroben oder des Kreatinphosphat-Speicher Energiebeitrags.

Zerlegst du deine Leistung nicht in ihre einzelnen Bestandteile, bleibt Dir diese Erkenntnis verborgen. Es wäre Dir nicht möglich zu erkennen auf welchem Energiesystem der (Haupt)Fokus des Trainings liegen sollte.

Eine solch detaillierte Betrachtung des Ursprungs einer Leistung erlaubt es dir also herauszufinden, auf welche Weise sich einzelne Trainingskomponenten auf deinen Organismus ausgewirkt haben. 

Damit hast Du die Möglichkeit, zukünftige Trainingsprogramme ohne unerwünschten Effekte zu gestalten. 

(In unserem Beispiel wäre der unerwünschte Effekt, dass die aerobe Leistungsfähigkeit durch dein Training verringert wurde.)

Schaue genau hin

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